Ich weiß, irgendwann fange ich mir die Kritik, in erster Linie ein PropTech-Event-Blog zu sein, statt ordentliche Recherchen zu präsentieren. Sei’s drum: PropTech-Veranstaltungen sind, um der Branche den Puls zu messen, einfach zu interessant, um nicht ein wenig von ihnen zu erzählen. Wobei sich der interessante Teil oft genug auf die Eindrücke am Rande beschränkt. Im Fokus stehen noch immer zumeist die unvermeidlichen Pitches. Und irgendwie grüßt so gut wie jedes Mal das Murmeltier namens Brickvest.

Doch der Reihe nach: Wenn Union Investment ruft, kommen PropTech- und Immobilienwelt. Zumal wenn der Event im Zentrum Berlins im immer wieder eindrucksvollen ESMT am Schlossplatz stattfindet. Der Rahmen gewohnt stilvoll. Der Anspruch einigermaßen bombastisch: Kann schon sein, dass es sich dabei um den 1. weltweiten PropTech Award handelte, wer weiß das in diesen Zeiten der massenhaften PropTech-Veranstaltungen schon. Ob’s nötig war, sei dahin gestellt. Die Vertreter im Finale waren jedenfalls samt und sonders europäisch mit dem Schwerpunkt Deutschland und je einem Vertreter aus London (Brickvest), Österreich und Belgien. Das ehrt die deutsche PropTech-Szene, evt. aber auch Union Investment, die deutschen Vertretern hier so viel Raum gegeben haben.

Über 240 Bewerbungen hat es gegeben. Und doch kommen am Ende wieder vergleichsweise bekannte Start-Ups wie Brickvest, Architrave und casavi in die Endrunde? Ich wäre sehr neugierig auf die Longlist gewesen. Gibt es weltweit tatsächlich nicht mehr pfiffige Ideen? Oder war die Auswahl dann doch nicht so international? PropTech ist das, PropTech Innovation nicht (mehr).

Gewonnen hat schließlich Green City Solution. Und zwar gleich zweimal! Den Publikumspreis und den Jury-Preis. Der Green City – Vertreter war selbst etwas verblüfft, als er gleich zwei Mal hintereinander aufs Podium gerufen wurde. Ich gebe zu, ich habe Green City Solutions auch gewählt. Aber ehrlicherweise auch, weil der Green City-Vertreter sehr gut präsentiert hat und das Geschäftsmodell von allen am Verständlichsten und Frischesten war.

Und damit sind wir beim Kernthema: Der Union Investment PropTech Award 2017 unterschied sich in vieler Hinsicht wohltuend von manch anderen Branchen-Veranstaltungen. Die Zusammenarbeit mit Getec. Eine gut besetzte Jury, auch darüber hinaus eine Reihe Hochkaräter aus der Branche, die das Turnschuh-Jungvolk ergänzten. Mit Ragnar Lifthasir ein Vertreter des Blockchain-Adels aus dem Silicon Valley. In Durchführung und Anspruch gediegen, kein überflüssiges Gedöns mit Oscar-Preisverleihungsanspruch. Alles in allem eine reife Veranstaltung, die durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient hätte und hoffentlich im nächsten Jahr auch bekommt.

Nur frisch war sie eben nicht.

Das lag nicht nur an der Auswahl der Finalisten. Es stimmt allerdings bedenklich, wenn ein Finalist damit wirbt, schon einen siebenstelligen Betrag an Preisgeldern und sonstigen Förderungen (ex Umsätze) eingesammelt zu haben. Es lag auch daran, dass das Pitch-Format mittlerweile einfach nervt. Zumal es sich allzu oft, ja nicht um die Darstellung des Geschäftsmodells mit den wesentlichen Zahlen, Daten und Fakten handelt, sondern um reine Werbeblocks. Mit sehr überschaubarem Informationswert. Warum werden eigentlich nie zumindest auch mal die Nutzer gefragt, was die vorgestellte Lösung in der Praxis gebracht hat? Wie wäre es mit ein paar echten Referenzen anstelle von mehr oder weniger eindrucksvollem Kunden-Name-Dropping? Stattdessen kommen die naturgemäß immer begeisterten Gründer und – im fortgeschrittenen Stadium – Marketing-Mitarbeiter zu Worte, die noch dazu unter enormen Zeitdruck gesetzt werden. Und sich in ihrer Not oft genug in Schlagworte flüchten, um möglichst viel in möglichst wenig Zeit zu packen.

Es ist mittlerweile bedauerlich, dass sich mit der Start-Up-Kultur auch eine Pitch-Kultur verbreitet, die den unbefangenen, aber auch den fachlich beschlagenen Beobachter mehr verwirrt als aufklärt. Dieses zugegebenermaßen grobe Verdikt war auch aus vielen Gesprächen mit anderen Gästen herauszuhören. Ob die Jury wirklich schlau geworden ist aus dem 4-Minuten-Gehaspel?

Um keine Mißverständnisse und Frustration bei all denjenigen hervorzurufen, die Zeit und Mühe in die Veranstaltung gesteckt haben: Jede Veranstaltung dieser Art, noch dazu von einem renommierten Haus wie Union Investment, bringt mehr Bewegung in die (gute) Sache. Und auch Pitches sind nicht per se blöd. In einem echten Investment Prozess sind sie sogar unvermeidlich. Man kann sich auch auf den Standpunkt stellen, dass es gut für die jungen Leute ist, wenn sie sich kurz fassen lernen. Für jeden anderen Konsumenten als Investoren, die sicherlich rund um die Uhr unter einem gewaltigen Zeitdruck stehen (wenn es nicht gerade um die Investment-Entscheidung geht, die oft erstaunlich lange dauern) sind Pitch-Veranstaltungen eine Zumutung. Irgendwo zwischen pädagogischem Impetus und unreflektierter Übernahme des Silicon Valley Hypereffizienzstrebens.

Vor kurzem schwirrte durch das Netz, dass der PropTech-Hype abzukühlen droht. Das wäre gar nicht so schlecht, wenn es denn so wäre. Dann kommt wieder etwas mehr Ruhe in die Sache. Das täte allen Seiten gut.

Und übrigens: Danke, Union Investment, dass Ihr Euch der PropTech-Sache angenommen habt.

Union Investment PropTech Innovation Award 2017

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