London ist dieser Tage das Zentrum der PropTech-Welt, zumindest der europäischen. Sagte ich „dieser Tage“? Nein, ich will es ein wenig anders ausdrücken. Die britische PropTech-Szene verhält sich zur deutschen wie London zu Berlin. Wer immer der gelegentlichen Euphorie verfällt, Berlin könne London das Wasser reichen, dem sei zur Therapie ein Besuch der britischen Hauptstadt empfohlen. Wer immer meint, in Deutschland gäbe es schon ein sehr ordentliches PropTech-Ökosystem, dem sei das gleiche empfohlen.

London leistet sich mittlerweile zwei PropTech-Konferenzen, die sinnigerweise innerhalb einer Woche stattfinden. Den Nerv muss man erst einmal haben. Wir wären froh, wenn wir ein Format dieser Art wenigstens einmal im Jahr hätten. Aber, um das vorwegzunehmen, diesbezüglich gibt es Licht am Ende des Tunnels. Am 14. September findet Future PropTech auch in Deutschland statt. Die GPTI und und UK PropTech Association haben sich zusammen getan und ein Kooperation begründet und lassen damit eine meiner Prognosen für das Jahr 2017 wahr werden. Dank an Alex Ubach (GPTI) und Gary Chimwa (Future: PropTech).

Apropos Gary. Keine schlechte Leistung, quasi im Alleingang eine 800+ Teilnehmer-Veranstaltung hochzuziehen. Erstklassige Location (im noblen Victoria House – dort allerdings nur im weniger noblen Souterrain – im feinen Bloomsbury), thematisch drei Schritte weiter, als alles, was man in Deutschland so sieht, eine ausgezeichnete App, die einem die Orientierung im Programm und Souterrain und vieles Andere deutlich vereinfachte. Mit James Dearsley ein fachlich beschlagener Moderator, und schließlich ein Publikum, in dem sich Immobilien-Professionals und Tech-Professionals angenehm mischten – und sich durchaus nicht verständnislos gegenüber standen. Insgesamt eine reife Leistung und eine reife Veranstaltung. Fast schon zu reif, may I say? Gelegentlich erinnerte einen Format und Diskussionen schon fast an eine x-beliebige Immobilien-Investorenkonferenz. Der Coolness-Faktor war überschaubar, dafür aber auch kein naive Tech-Evangelisation.

Die deutsche Beteiligung war überschaubar. Mehr als ein dutzend Kollegen aus der Szene habe ich nicht gezählt. Das mag auch daran gelegen haben, dass am gleichen Tag in Köln der PropTechPitch 2017 stattfand, zu dem sich 30 Jungunternehmen angemeldet hatten. Ansonsten war die Veranstaltung ausgesprochen international, was natürlich auch daran liegt, dass jedes größere Start-Up, das es sich leisten kann, ein Büro in London eröffnet. Es gibt allerdings auch Start-Ups, die schon vom ersten Angel-Geld Büros in London, Singapur, New York und Sidney aufmachen… Auch das konnte man lernen im Victoria House.

Was bleibt nach vielen Gesprächen, Vorträgen und Podiumsdiskussionen? In London scheint es keine PropTech-Flaute zu geben. Im Gegenteil: Die Zahl der Teilnehmer hat sich im Vergleich zum Vorjahr offenbar verdoppelt. Investoren, Immobilienunternehmen und – beratungen sind längst am Start und halten Ausschau nach vielversprechenden (Übernahme-)Kandidaten. Da wächst ein Ökosystem zusammen, das eine wichtige Stütze für die weitere Entwicklung ist.

Hierzulande gibt es davon mittlerweile auch viel. Nur eben noch alles eine Nummer kleiner. Nun mag auch in der britischen Hauptstadt nicht alles Gold sein, was glänzt. Doch die Schwungmasse ist eindeutig größer, um der auch dort noch jungen PropTech-Branche zu einem nachhaltigen Aufschwung zu verhelfen. Möge es auch in Deutschland weiter aufwärts gehen.

Future PropTech 2017: More mature

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