Vor etwas mehr als einem Jahr erhielt die Bauindustrie von Verkehrsminister Dobrindt ein Weihnachtsgeschenk in Form einer Selbstverpflichtung des Bundes, seine Infrastrukturbauvorhaben ab 2020 nur noch mit BIM umzusetzen. Über den Stand der Dinge hat das BMVI jüngst in seinem 1. Fortschrittsbericht informiert. Wer ihn liest, erhält einen ersten Eindruck von der Komplexität der Materie. Immerhin, es gibt einen Plan und Anfang 2017 wurde die 2. Phase der Umsetzung gestartet, die Erweiterte Pilotphase, zu der auch die Erstellung umfangreicherer Dokumentationen gehört, die den öffentlichen und privaten Auftraggebern in Zukunft die Arbeit erleichtern sollen.

Das ist für die Immobilienwirtschaft nur insofern von Bedeutung, als die Baubranche in ihren Digitalisierungsbemühungen, die nicht weniger komplex sind als die eigenen sind, offenbar mittlerweile mindestens einen Schritt voraus ist. Was praktisch ist, denn die Immobilisten können den Bauinput ja bekanntermaßen gut gebrauchen. Spannend für sie sind vor allem aber die Entwicklungen im Hochbau, für die das BMVI nicht zuständig ist. Hier sorgt derzeit eine Information für Aufregung, deren Behandlung durch das zuständige BMUB so professionell erfolgte, dass sie von vielen bereits für eine Ente gehalten wurde. Die in der Regel ja nicht schlecht unterichtete Immobilienzeitung berichtet, dass nun auch das Bundesbauministerium „voll“ auf BIM setze, und zwar für Bauvorhaben bereits aber der vergleichsweise lächerlichen Summe von 5 Mio. Euro.

Diese Information ist mindestens ebenso erstaunlich wie der Umstand, dass hierzu bisher keine Bestätigung aus dem Ministerium zu bekommen war. Dies allein schürte Mutmaßungen aus informierten Kreisen darüber, dass es ja wohl kaum sein könne, dass eine fast sensationelle Meldung allein in Form einer Kurzmeldung der Immobilienzeitung das Licht der Welt erblickt – und niemand dafür besondere Lorbeeren beansprucht. Die traurige Wahrheit ist: Es kann sein. Jedenfalls muss der PR-Lapsus einer Bundesbehörde allein kein Anlass sein, am Wahrheitsgehalt der Nachricht zu zweifeln.

Unterstellen wir also, dass die Sache stimmt und widmen uns den positiven Seiten der Angelegenheit. Oder zunächst einmal ihrem Inhalt.  Vorbehaltlich der noch nicht bekannten Formulierungen des Runderlasses an die Bauverwaltungen des BMUB scheint das Comittment etwas unverbindlicher zu sein als das des BMVI. Die Rede ist von Pflichtberatung der potenziellen Auftragnehmer im Hinblick auf „digitale Unterstützung“ eines Bauvorhabens. Das klingt noch nicht so richtig nach „BIM oder kein Auftrag“. In Anbetracht der geringen Wertschwelle käme das allerdings auch der praktisch flächendeckenden Einführung von BIM bei Hochbauvorhaben der Bundesverwaltung gleich. Auch wenn BMVI und BMUB sich angeblich einen Wettbewerb um die Einführung von BIM liefern, scheint das wenig glaubhaft. Offenbar will man sich der Sache vorsichtig, aber dafür breit nähern und fängt bei der Änderung des Mindsets der Beteiligten an. Wenn dem so ist, wäre die Nachricht nicht mehr ganz so sensationell.

Ein echter Plan wie der Stufenplan des BMVI scheint auch noch nicht dahinter zu stecken. Jedenfalls ist bisher von weiteren Schritten noch keine Rede. Insofern bleibt abzuwarten, ob hier wirklich etwas für die Immobilienwirtschaft herausspringt.

Insgesamt scheint BIM aber auch in Deutschland gut, wenn auch etwas langsam unterwegs zu sein. Selbst die Bundesarchitektenkammer bekennt sich mittlerweile zu BIM… Nur zur Erinnerung, ein komplettes Datenmodell einer Immobilie ist auch für die Betreiber von hohem Wert. Grund genug, demnächst einmal wieder einen genaueren Blick auf die Entwicklungen zu werfen. Bis dahin warten wir gespannt, was sich hinter dem Runderlaß des BMUB tatsächlich verbirgt. Fortsetzung folgt.

„Breaking News“: BIM nun auch im Hochbau

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