Wie geht’s 2017 weiter mit der PropTech-Branche? Wenn es gesamtwirtschaftlich weiterhin so ordentlich läuft wie in den letzten Jahren, dann steht einer positiven Entwicklung des PropTech-Marktes nichts entgegen. Auch 2017 verdienen die Kunden mit dem klassischen Geschäft das Geld, um sich das ein oder andere digitale Experiment leisten zu können. Investoren haben gut gefüllte Taschen, um die Risiken zu stemmen, die sich aus Start-Up Investments ergeben. Es sieht also gut aus (ganz anders als sonst in der postfaktischen Trump-Welt).

Ideal wäre es, wenn sich das ein oder andere Unternehmen in die Gewinnzone steuern könnte. Oder gar schon zu einem erfolgreichen Börsengang. Dieser Lackmustest steht bei vielen Geschäftsmodellen noch aus, würde aber der ganzen Branche einen ordentlichen Schub geben. Auch Kunden sollen es ja schätzen, wenn der Technologieanbieter ihrer Wahl eine nachhaltige Existenz zu haben verspricht. Zwar sollten wir uns alle bewusst sein, dass wir uns immer noch in der Trial & Error-Phase befinden, aber langsam wird es Zeit, dass die PropTechs ihre Verheißungen auch zu erfüllen beginnen.

So oder so verspricht 2017 ein sehr interessantes Jahr zu werden. Das liegt vor allem ein zwei Entwicklungen: Erstens, PropTech hat in den vergangenen Jahren so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, dass sich viel mehr Branchenplayer damit ernsthaft beschäftigen. Die Vielzahl von Plattformen und Veranstaltungen sorgen für einen besseren Austausch zwischen Anbietern und Nachfragern. Zugleich gewinnt der Technologienachwuchs mehr und mehr Einblicke in die (Un-) Tiefen (und technologischen Chancen) des Immobilienmanagements. Und den ein oder anderen Seitenwechsler aus der Immobilienbranche. Zweitens, immer mehr Technologien beweisen ihren Nutzen für Immobilienunternehmen und werden marktfähig: Virtual Reality, IoT, Artificial Intelligence, Machine Learning, In-Memory-Datenbanken, Business Analytics, Big und Smart Data.

Damit sind wir schon bei den Prognosen gelandet. Prognosen sind so eine Sache. Man kann sich mit Recht die Frage stellen, wozu sie eigentlich gut sind. Es kommt ja eh, wie es kommt. Trotzdem, es macht Spaß ein wenig zu spekulieren. Daher hier meine Prognosen:

(1) Die Vielzahl der Technologien wird zu einer ganzen Zahl paralleler Entwicklungen führen. Allerdings auch zu einiger Konfusion bei den Nutzern, die erst einmal den Durchblick gewinnen müssen, was wozu gut ist.

(2) Plattformen werden immer mehr Services für die Nutzer von Immobilien anbieten. Die Vermieter können sich entscheiden, ob sie sich das mit diesen Zusatzdienstleistungen verbundene Geschäft anderen überlassen, oder ob sie endlich das Potenzial ihrer Kundschaft über die bloße Überlassung von Wohn- und Gewerbeflächen hinaus ausschöpfen. Letztere werden die Gewinner sein.

(3) Der „Daten sind das Öl des 21. Jahrhundert“-Hype wird zur zunehmenden Ausdifferenzierung der Wertschöpfungskette Datenverarbeitung führen, die aus den folgenden Gliedern besteht: Daten liefern (IoT u.a.), Daten digitalisieren (Machine Learning, Aritificial Intelligence), Daten sammeln und strukturieren (Datenbanken), Daten auswerten (Business Analytics, Big/Smart Data).

(4) Unternehmen werden sich der Aufbereitung ihrer eigenen Assetdaten stärker widmen. Da das Datenangebot bald unüberschaubar sein und die Datenproduktion auf Hochtouren läuft, werden Technologien, die der Sichtung, Zusammenführung und Aufbereitung von Assetdaten dienen, verstärkt nachgefragt und angeboten.

(5) Daneben werden zunehmend Anbieter von Recherchetools auf den Markt kommen, die deutlich mehr als die bisherigen Preis- und Marktdaten anbieten. Mit riesigen Datenbeständen und schnellen Rechnern bewaffnet, werden sie den Unternehmen das Research erleichtern – und unabhängiger von den etablierten Researchhäusern machen. Die Marktransparenz wird sich trotzdem nicht wesentlich verbessern.

(6) Die Digitalisierung von Geschäftsprozessen wird sich zwar weiterentwickeln, aber nicht in dem häufig prognostizierten Maße. Grund: Die Kosten für Personal und Prozesse sind im Verhältnis zu den Kosten der Immobilien zu gering, um größere Investitionen zu rechtfertigen.

(7) Anbieter von allzu kleinen technischen Lösungen werden es schwer haben. Gesamtlösungen werden favorisiert, weil Immobilienunternehmen einen technischen Flickenteppich fürchten.

(8) Crowdfunding wird auch 2017 ein Nischenfinanzierungsinstrument bleiben.

(9) Die Blockchain wird 2017 für die Immobilienwirtschaft noch keine Rolle spielen. Ob überhaupt, bleibt abzuwarten.

(10)   Es wird eine eigene PropTech-Messe auch in Deutschland geben. Die existierenden Immobilien-Messen werden auch 2017 die Chance verpassen, Property Technologie zu integrieren.

So. Jetzt dürfen mich alle erschlagen, die es ganz anders sehen. Und mich gerne eines Besseren belehren. Auf ein spannendes Jahr 2017 und viele interessante Begegnungen.

Ausblick 2017: Jahr der Datenbanken

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