Bevor das neue Jahr zu weit voranschreitet, lassen wir das alte noch einmal Revue passieren. Womit wird es uns in Erinnerung bleiben? Brexit, Terror, AfD? Mein Tipp: Am Ende durch Amerikas Entscheidung, sein Land wie ein Unternehmen führen zu lassen. Der Auserwählte: Ein verhaltensgestörter Immobilienunternehmer. Wohl bekommt’s.

Für PropTechs war das Jahr nicht ganz so schlecht. Fangen wir der Einfachheit halber mit der eigenen Prognose an: Im Ausblick zu 2016 hieß es: (1) Plattformen werden sich weiter entwickeln, (2) Datenanalyse wird der neue Trend, ebenso wie (3) Virtual Reality und (4) die Großen machen sich auf den Weg. Dazu gleich mehr.

Tatsächlich hat sich sogar eine Menge mehr getan. 139 PropTech-Unternehmen weist die Haberkorn’sche Zählung (inklusive 14 Immobilien-Crowdfunding-Plattformen, die irgendwie eher FinTechs sind) für den Januar 2017 aus. 67 hatte ich vor einem Jahr angenommen. Da es sich nicht um die gleiche Quelle handelt, steht der Vergleich auf etwas wackeligen Füßen. Im Großen und Ganzen entspricht die Steigerung aber auch der gefühlten Entwicklung.

Worüber weniger gut Buch geführt wird, ist die Zahl der Abgänge. Einige prominente Opfer hat 2016 gefordert. Das ein oder anderen Start-Up hat sich mit weniger Getöse verabschiedet. Erster Vorsatz für 2017: Hier genauer hinschauen.

Wer sich die einzelnen Segmente genauer anschaut, wird erst einmal feststellen, dass das mit der Segmentierung so ein Sache ist. Die Haberkorn’sche Zuordnung hat sich im Laufe des Jahres verändert. Eine akzeptierte Einteilung gibt es bisher nicht. In anderen Ländern, z.B. UK werden ganz andere Einteilungen vorgenommen. Und die Zuordnung zu einem Segment ist auch nicht immer einfach. Vorsichtig lässt sich festhalten: Die Zahl der Vermietungsplattformen hat nicht groß zugenommen. AR/VR hat sich gut entwickelt, ebenso Datenräume, IoT und „Dienstleistungen“.

Entwickelt hat sich dafür für die noch junge Industrie eine Art Infrastruktur für den institionellen Austausch. Mit der German PropTech Initiative ist eine Plattform entstanden, die sich die Förderung und den Austausch von PropTech-Gründungen und Gründern zur Aufgabe gemacht hat. Der ZIA hat sein Herz für die „jungen Wilden“ entdeckt und ihnen den Innovation Day gewidmet. Veranstaltungen gab es sowieso reichlich sowie Meet-Ups als neue Form der Begegnung. Die sind übrigens recht erfrischend und zwanglos und insofern ein nettes Kontrastprogramm zu den üblichen Immobilienveranstaltungen. Wissenschaftliche Begleitung in Form verschiedener Studien hat Fahrt aufgenommen. Nur die deutsche Vorzeigemesse Expo hat noch nicht so richtig angebissen. Wir hoffen auf die kommende Messe. Insofern alles supi.

Zahlen zu PropTech Investments liegen noch nicht vor, wenn sie denn für Deutschland überhaupt schon erhoben werden. Die Zahl der Investoren, so kann man sagen, ist jedenfalls stark gestiegen. Vielleicht stärker als wirklich spannende Geschäftsmodelle. Nachdem der Plattform-Hype abgeflaut ist, hat sich noch kein klarer Trend herausgestellt, der mehr als einzelne Investments verzeichnet. Spektakuläre Größenordnungen sind noch nicht erreicht worden. Die 10 Mio. $ Series A-Finanzierung für Service Partner One und die 8,5 Mio. € für MacMakler stechen schon positiv hervor. Man sieht das Silicon Valley förmlich müde lächeln über diese Beträge.

Nun zu den getroffenen Prognosen. Plattformen haben sich weiter entwickelt – ein wenig. Weg von den unzähligen Vermietungs- und Vermarktungsplattformen, hin zu anderen Plattformen wie z.B. für das Office Management. Ich gebe zu, das war eine wohlfeile Prognose, denn Plattformen sind in vielen Formen und Farben vorstellbar und natürlich auch immer ein interessantes Geschäftsmodell. Man darf gespannt sein, welche Services sich noch so bündeln lassen.

Datenanalyse wird der neue Trend. Würde ich heute so undifferenziert nicht mehr sagen. Ja, Datenanalyse birgt noch ein gewaltiges Potenzial. Nein, es ist kein „neuer“ Trend, weil Immobilienunternehmen ja auch schon bisher Datenanalyse betrieben haben. Nur eben nicht in dem Umfang und der Tiefe, in der es mit neuen Technologien möglich ist.

Derzeit kommt es noch auf etwas Anderes an: 99 % der Unternehmen stellen fest, dass Datenanalyse eine strukturierte Datensammlung voraussetzt. Und dass es genau hieran zumeist fehlt. Es gibt viele Daten, aber verstreut, doppelt und dreifach und in keiner systematisch analysierbaren Form. Bevor also Analyse in größerem Stil betrieben werden kann, müssen Daten digitalisiert, gesammelt und strukturiert werden. 2017 wird das ein Trendthema sein, das hat auch die EY-Studie bestätigt und ist insofern ein recht sichere Wette.

Virtual Reality hat in der Tat in der Wahrnehmung einen großen Schritt nach vorne gemacht. Virtuelle Immobilienrundgänge gehören mittlerweile schon fast zum Standard-Vermarktungstool von Maklern. Aber das ein oder andere Unternehmen ist schon einen Schritt weiter gegangen und hat gezeigt, dass die Indoor-Navigation auch anderen Zwecken als der Vermietung oder dem Verkauf dient. Facility Manager finden Indoor-Navigation in größeren Gebäudekomplexen recht praktisch, Museen lassen ihre Sammlungen, Industrieunternehmen ihre Werkshallen abfilmen. Nicht schlecht.

Und die Großen? Setzen sie zum Sprung in die digitale Welt an. Nun ja, geredet wird darüber viel. Zahlen und Studien gibt es vereinzelt. Sie zeigen, dass unter Digitalisierung immer noch sehr viele verschiedene Dinge verstanden werden. Und diese Dinge zumeist neben dem Tagesgeschäft angegangen werden. Der Chief Digital Officer ist weiterhin genauso die Ausnahme wie eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie. In der Regel beschränkt sich die Digitalisierung bei den meisten Unternehmen auf einzelne oder mehrere Einzelmaßnahmen.

Lassen wir den Wert von Prognosen einmal dahingestellt. Es hat sich viel getan im PropTech-Bereich. 2016 war in dieser Hinsicht ein gutes Jahr. Als revolutionär oder disruptiv hat sich noch keines der Geschäftsmodelle erwiesen. Am ehesten haben noch die Co-Working-Unternehmen die Vermietungsszene aufgemischt und Disruptionspotential gezeigt. Ansonsten gibt es für die Etablierten noch kein Grund sich vor den jungen Wilden zu fürchten. Was 2017 an Entwicklungen bringen dürfte, ist einen nächsten Beitrag wert.

Rückblick 2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.