Das bereits beworbene EY-/ZIA-Gutachten zur Digitalisierung in der Immobilienbranche unternimmt noch einen weiteren ehrenwerten, wenn auch knappen Versuch, der hier nicht unterwähnt bleiben soll. Es versucht, wenn auch auf der Grundlage einer recht dürftigen Datenlage, der Frage nachzugehen, wer denn die Investoren in deutsche PropTech-Unternehmen sind. Und kommt dabei trotz aller Zurückhaltung zu einigen interessanten Erkenntnissen:

Die Datenlage ist mit aufgelisteten 19 Finanzierungsrunden seit Anfang 2015 zugegebenermaßen recht schwach. EY selbst weiß angeblich noch von einigen mehr. Noch mehr weiß vermutlich Barkow Consulting, die bereits im Juli 2015 eine Money Map für den Sektor veröffentlich haben. Allerdings ist auch Barkow Consulting leider recht verschwiegen, was Details betrifft. Die Money Map leidet auch unter fehlenden Differenzierung von Fin- und PropTech. Letztere ist in Frankfurt –  wen wundert es – nur ein Teil der FinTech-Community. Deswegen ist nicht ganz klar, worauf sich die Barkow’schen Angaben beziehen.

Sei’s drum. Was lässt sich mit einiger Sicherheit sagen?

  1. YouIsNow hat sich, bei allem, was Immobilienscout24 so vorgeworfen wird, um die Entwicklung einer PropTech-Industrie in Deutschland verdient gemacht. 40 % der von EY-befragten Unternehmen gaben an, Immoscout als Businessbeschleuniger genutzt zu haben. Damit verbindet sich der Wunsch nach mehr Acceleratoren, der bisher wenigstens von blackprintpartners erhört wurde. Für eine Branche, die derartig groß ist, wie die Immobilienbranche ist das aber immer noch viel zu wenig.
  2. Das passt mit dem Befund zusammen, das sich nach der EY-Auflistung die Branche selbst kaum in der Nachwuchsförderung engagiert: Aus der Industrie finden sich dort Jones Lang LaSalle und, öh, ja. Das war’s dann schon. Selbst wenn es möglicherweise in Wahrheit nicht ganz so schlimm ist, strategische Investoren und Investitionen gibt es ebenfalls noch viel zu selten. Das führt in der Konsequenz dazu, dass viele PropTech Start-Ups einen gewissen Nachholbedarf haben, was Markt- und Industrieknow-how betrifft. Und das wiederum erhöht die Überlebenschancen junger Unternehmen nicht unbedingt.
  3. Etwas besser sieht es in der Abteilung Business Angel aus: Hierzu darf man Einar Skjerven zählen, der auch hinter 32nd Floor steht, auch die Obotritia Capital, hinter der sich Rolf Elgeti (vormals TAG Immobilien) verbirgt und die alten Hasen Marc Stilke, Lars Grosenick und Martin Strobel. Business Angels aus der Industrie spielen auch nach meinen Erfahrungen eine größere Rolle und ersetzen die fehlenden strategischen Investments wenigstens zum Teil.
  4. Darüber hinaus geben – wie es sich gehört – Venture Capitalisten den Ton an. Da tummelt sich mittlerweile eine erstaunliche vielfältige Schar, nicht zuletzt auch von ausländischen VC-Gesellschaften. Relativ unbekannte mischen sich mit Schwergewichten wie Rocket Internet, Earlybird, EQT & Co.. Die Zahl dieser Investoren nimmt derzeit rasant zu, was hoffen lässt. Wenn der Markt noch größer wird, darf man weiter hoffen, dass die VC-Gesellschaften sich etwas stärker branchenspezifisch aufstellen. Bisher hat man gelegentlich den Eindruck, dass unter zahlreiche verschiedene Investments auch mal – gleichsam zur Risikostreuung – ein wenig PropTech gemischt wird. Doch Meckern gilt nicht, in diesem Bereich ist ordentlich Bewegung (und Geld) drin. Nur schade, das sei noch einmal erwähnt, dass selbst in Zeiten, in denen es der Branche so gut geht, wie jetzt, Risiko und Chance so gut wie ausschließlich von mehr oder weniger branchenfernen Investoren genommen werden.
  5. Die Finanzierungsrunden sind nach Auskunft von EY bisher noch relativ klein: Im Schnitt 450.000 € in der ersten, 650.000 € in der zweiten Runde. Die Hälfte der ersten Runden war sogar kleiner als 250.000 €. Das entspricht ein wenig der Bedeutung der Lösungen, die teilweise auf dem Markt gekommen sind. Auch hier ist aber ein deutlicher Trend nach oben feststellbar. Service Partner One hat Anfang des Jahres immerhin einen achtstelligen Betrag eingesammelt. Wenn die Geschäftsmodelle reifen, wird das kein Einzelfall bleiben.

Fazit? Eine erste Investorenanalyse ergibt ein etwas gemischtes, aber kein durchweg negatives Bild. Das, was Barkow Consulting im letzten und EY in diesem Jahr herausgefunden haben, ist vermutlich jetzt schon wieder überholt, so schnell wie sich die Dinge entwickeln. Wenn man sich in Berlin in der Szene herumtreibt, bekommt man ein Gefühl dafür, dass wir zwar noch nicht im Silicon Valley-Verhältnissen leben, PropTech-Finanzierungen aber mit einiger Geschwindigkeit unterwegs sind – und noch an Fahrt aufnehmen. So weit so gut. Bekanntermaßen ist Geld aber ein scheues Wild und rasch wieder weg, wenn irgendwo anders ein neuer Hype beginnt oder die Zinsen steigen. Schon deswegen wären mehr strategische Investitionen wünschenswert. Schade, dass eine so reife Branche wie die Immobilienwirtschaft in dieser Hinsicht noch so schwach aufgestellt ist. Immobilienunternehmen, bitte aufwachen!

Scheues Wild: PropTech-Investoren

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