Erinnern wir uns noch an das erste Filmchen über den 3D-Druck von Häusern? Gerade zwei Jahre ist es her, als uns aus China ein Filmchen erreichte, dass die Funktionsweise eines Beton-Druckers anschaulich vorführte. Der Eindruck, den die Sache machte, war nicht besonders. Ziemlich rauhe vier Wände entstanden da, die in China möglicherweise als Eigenheim durchgehen, im Westen aber eher als etwas schwerfällige Gartenhütte.

Und nun? Was uns jetzt aus dem immobilienmäßig etwas anspruchsvolleren Nahen Osten erreicht, ist da schon von anderer Qualität. Eine deutlich komplexere und ziemlich schicke Büroimmobile in Dubai. Ok, so ganz von vorne bis hinten ist sie natürlich nicht gedruckt, aber in 17 Tagen vorgefertigt und in zwei Tagen zusammen gebaut. Angeblich für nur 140.000 $, so die Auskunft. Man darf getrost davon ausgehen, dass dies nur den Rohbau, äh Rohdruck, umfasst. In China versucht man derweil eher Geschwindigkeitsrekorde zu brechen und mehr als ein Dutzend Häuser am Tag zu drucken. Aber auch „Villen“ sollen schon gedruckt worden sein – in knapp zwei Tagen.

Modulare Bauweise, am Ende ist das gedruckte Haus lediglich ein technisch fortgeschrittene Spielart davon, ist eigentlich nichts Neues. Plattenbau und Fertighaus leben davon seit vielen Jahren. Und auch der Gewerbebau wird seit längerem auf immer höherem Niveau modularisiert. Firmen wie Goldbeck (nicht verwandt oder verschwägert) verdienen seit langem gutes Geld damit. Auch in Deutschland werden Immobilienfabriken mit einem Volumen von mehreren tausend Eigenheimen pro Jahr geplant. Und doch scheint der 3D-Drucker diese Baumethode noch einmal zu transformieren. Letztlich dauert bisher auch der Bau eines Fertighauses vom Giessen der Bodenplatte bis zur endgültigen Fertigstellung immer noch den ein oder anderen Monat. Und wer ein wenig mehr als ein Haus von der Stange haben möchte, der zahlt auch nicht unbedingt viel weniger als für ein maßgeschneidertes Haus. Hier sorgt der 3D-Bau noch einmal für frischen Wind.

Schaut man sich ein wenig um in der Druck-Bauwelt, dann stellt man fest, dass 3D-Bauten mittlerweile auch in andere Teilen unseres Universums Fuß fassen. In Italien soll ein ganzes Dorf gedruckt werden, auf dem Mars, der ja immer wieder Anlass für spannende Experimente gibt, soll die offenbar demnächst anstehende Besiedlung aus dem Drucker kommen. Auch anspruchsvoll das Vorhaben der Innovationen immer offen gegenüberstehenden Holländer, mitten in Amsterdam ein Kanalhaus zu bauen – aus Hartplastik. Derlei Kuriositäten, aber auch ernst gemeinte Anwendungen, finden Sie hier.  Ebenso spannend sind allerdings die Bemühungen, das Bauen zu demokratisieren und dem Eigentümer technische Tools an die Hand zu geben, mit denen er selbst sein Eigenheim (und irgendwann vielleicht auch sein Bürogebäude) gestalten kann. Läuft Bauen bald wie Fotos entwickeln? Ich plane mein Haus abends auf dem Tablet, schicke es zum Drucker und kann es am nächsten Tag abholen? Noch ist das deutsche Planungsrecht davor, vielleicht zum Glück.

Ich gebe zu, ich bin nicht so ein Betonfreund. Gut, dass der modulare Bau auch mit anderen Materialien voranschreitet. Es fragt sich nur, wo in Deutschland? Für den baustellenerfahrenen Berliner ist der Einsatz disruptiver oder auch nur beschleunigender Technologien in der Praxis noch nicht so recht zu erkennen. Dabei ist die Schlichtheit und Ähnlichkeit vieler Büroimmobilien und Stadtvillen zuweilen so ergreifend, dass der Gedanke, sie kämen vom Band, gar nicht so fern liegt.

3D-Druck: Raus aus den Kinderschuhen

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