Welche Konsequenzen die Digitalisierung für unser Arbeitsleben hat, ist Gegenstand vieler Betrachtungen auf Digitalisierungskonferenzen. Eine der Antworten ist Co-Working. Und Co-Working ist nicht mehr nur ein Trend, sondern eine Bewegung, eine Philosophie,  der sich mittlerweile reihenweise Websites, Studien und Konferenzen widmen. Und: Co-Working ist ein klassisches Immobiliengeschäftsmodell.  Und eines, das mittlerweile einige Leute sehr reich gemacht hat. Weltmarktführer (es gibt einen Weltmarkt dafür) WeWork erreicht mittlerweile, d.h. im 6 Jahr seines Bestehens, eine Bewertung von 16 Mrd. US$. Der ein oder andere DAX-Konzern würde sich über eine solche Bewertung freuen. Und, und, und.

Co-Working ist auch deshalb hochinteressant, weil sich das im Grunde stinknormale Vermietungsgeschäft allein durch die Anpassung an den Zeitgeist in eine Rentabilitätsrakete verwandelt hat, die allen Ich-vermiete-nur-core-in-triple-A-Lagen-für-10-Jahre-an-Großmieter-bester-Bonität-Strategen die Tränen in die Augen treiben dürfte. Am unteren Rand bei knapp 40 %, im Schnitt offenbar über 50 %. Und das bei allgemein verachteten, meist kurzen Laufzeiten, durchaus nicht immer Top-Lagen sowie prekären Freelancern und Jungunternehmern als Mieter. Die sind offenbar aber bereit für ihre Flexibilität (und das Lebensgefühl) teilweise exorbitante Quadratmeter- oder gar nur Tischpreise zu zahlen. Wework vermietet einen voll ausgestattet Tisch für 450 $ pro Monat – und meistens stehen mehrere Tische in einem Büro. Der Quadratfuß-Preis ist gerne schon einmal 150 $. Dafür gibt es noch einige Extras, die sich gründende Hipster etwas kosten lassen: Nähe zu anderen Gründern und Freelancern, sowieso Getränke, ein eigenes soziales Netzwerk, wer’s denn noch braucht, und die notwendige technische Ausstattung. Das alles kombiniert mit lässiger Atmosphäre, regelmäßigen Co-Working Parties und einem gesteigerten Wir-sind-die-Avangarde-Gefühl startet den Renditeturbo.

Co-Working-Unternehmen gibt es mittlerweile viele. Allein Berlin bietet nach offizieller Auskunft 100 Co-Working-Spaces, ganz Deutschland angeblich rund 250. Neben dem etwas biederen Regus versuchen Design Offices, Enklave, mobilesuite, betahouse und noch ein paar mehr sich Marktanteile zu sichern. Anders als bei den Maklerplattformen muss es hier aber nicht auf einige wenige Player hinauslaufen, die den Markt dominieren. Als hartes Vermietungsgeschäft inklusive Dienstleistung ist hier Raum für viele, und auch für Nischen. Der erste Eltern-Co-Working-Anbieter ist bereits auf dem Markt. Frauen-Co-Working Spaces sowieso. Die Flächen machen zumeist einen guten Eindruck, jedenfalls besser als manches angeranzte Accelerator-Loft.

Ganz ehrlich und ohne Spott, Co-Working ist wirklich cool. Nicht allein Digitalisierungskonsequenz, sondern letztlich Ausdruck eines Lebensgefühls, das klassische Angestellten-Büroarbeit spießig findet, extrem technophilisiert ist und gerne alles mit allen teilt. Ein wenig Silicon Valley -Atmosphäre, viel mehr Flexibilität (und Risiko), also etwas für die Generation Y und Z, die es ausreichend findet, mit 35 eine Familie zu gründen, am besten dann schon als Millionär. Damit folgt dieser Teil der Immobilienbranche einem gesellschaftlichen Trend – mit Erfolg. Bei steigendem Angebot werden die Preise sicher noch etwas moderater, doch Luft scheint genügend drin zu sein. Reine Geldschneiderei kann man den Anbietern nicht vorwerfen. Wegen der mit Co-Working verbundenen Dienstleistungen und dem hohen Betreuungsaufwand können sie sich nicht mit der Gebrauchsüberlassung und ein wenig Ausstattung begnügen, sondern müssen hart am Ball der Kundenbedürfnisse bleiben. Feed back garantiert.

Ach übrigens, es gibt da draußen noch ein paar mehr, die gerne nicht nur 5 oder 10 Jahre Mietvertragslaufzeiten hätten. Sogar gestandene Unternehmen mit guter Bonität, die bereit sind, auch einen Euro mehr zu zahlen. Die Gründer und Freelancer sind ja nur die Spitze des Eisbergs der gesellschaftlichen Trends, die da heißen (Anpassung, Flexibilität, Volatilität). Für viele Unternehmen gilt das, wenn auch nicht so extrem, in gleicher Weise. Also, liebe Banken, überlegt noch einmal, ob das alles immer sein muss. Nicht, dass ihr einen Trend verschlaft. Die Co-Working Branche kann sich über fehlendes Eigenkapital nicht beklagen. WeWork hat mittlerweile rund 1 Mrd. € Eigenkapital eingesammelt.

 

Co-Working: Der 300 Euro/Monat – Tisch

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