Düsseldorf präsentiert in diesen Tagen die EuroCIS, nach eigenem Bekunden der führende Marktplatz für Retail Technologie. Der Handel bekommt es also bereits hin, für eine lange Zeit etwas verstaubte Branche eine High Tech Messe zu organisieren. Respekt! Wann gelingt das der Immobilienbranche? Vermutlich nicht auf den nationalen (EXPO Real) oder internationalen (MIPIM) Immobilienmessen. Dort dominieren immer noch Investment und Transaktionen, jedenfalls so lange der Hype anhält… Vermutlich hat es einen guten Grund, warum sich die Retail Technology Branche eine eigene Messe organisieren lässt. Das gibt auch mehr Aufmerksamkeit…

Als Non-Retail Professional muss man sich erst einmal etwas gewöhnen an den Handelssprech: „Omnichannel-Service-Set“, „Click & Collect“, „Instore-Ordering und Return“ gehen einem noch nicht so leicht von den Lippen. Eine kleine Rundreise durch die Angebote, die sich damit verbinden, lohnt sich aber. Natürlich geht es unter der Flagge der Befriedigung von Kundenwünschen im Wesentlichen darum, mehr Geld aus dem Kunden heraus zu pressen. Aber manches ist gleichwohl recht praktisch. Praktisch ist übrigens auch das Informationsangebot der Messe im Internet (s.o.). Eigentlich muss man nicht unbedingt hinfahren.

Was das Ganze mit Immobilien zu tun hat? Viel.  Zwei große Trends sind zu beobachten, beide für die (Handels-) Immobilie der Zukunft von Bedeutung: (1) Online und stationärer Handel wachsen mehr und mehr zusammen. Kunden wollen mehr Informationen, bevor sie das Abenteuer Shopping wagen. Aber sie brauchen auch weiterhin die Haptik und den Plausch mit dem netten Verkäufer im Laden ihrer Wahl. Vor allem aber wollen sie wissen, ob das Produkt ihrer Wahl auch vorrätig ist. Das führt zu Trend (2), der Vernetzung von Kundeninformation und Warenwirtschaftssystemen. Einmal täglich ein Update genügt nicht mehr. Und vermutlich genügt es auch nicht mehr, den Kunden auf die nächste Lieferung („vielleicht in zwei Wochen“) zu vertrösten, wenn woanders Online-Shopping-Riesen mit stündlicher Belieferung beginnen.

Wenn der stationäre Shop zunehmend digitalisiert wird, sogar die Umkleidekabine eine digitale Renaissance erfährt, dann werden an die technische Ausstattung von Handelsimmobilien immer größere Anforderungen gestellt. Server Farm im Keller? Breitbandanschluß ohnehin nebst üppiger Sensorenausstattung. Gleichwohl guter Smartphone-Empfang, alles gut gekühlt und eine perfekte Logistik für eine mehrfach tägliche Belieferung der Läden. Das alles nachhaltig, CO2-arm und flexibel. Da zeigt sich exemplarisch, wie viele gesellschaftliche Zielkonflikte Immobilien zu lösen haben. Insofern wäre es interessant zu wissen, ob und wie stark die Handelsimmobilienbranche auf der Messe vertreten ist. In Kürze mehr auf diesem Kanal.

EuroCIS: Die digitale Renaissance der Umkleidekabine

Ein Gedanke zu „EuroCIS: Die digitale Renaissance der Umkleidekabine

  • 24. Februar 2016 um 7:13
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    Der Immobilienbranche geht es genau so wie der Automobilbranche – Letztere hat Akteure mit Benzin im Blut, aber keine Sensibilität für autonomes Fahren, Big Data und Elektromobilität; es sind eben die falschen Leute – die von gestern – am Ruder.

    Für den Handel ist das veraltete „Push-System“ – also das Verkaufen von durch „erfahrenen“ Einkäufer bereits vor mehr als 6 Monaten eingekauften Waren – das Grundproblem. Der Erfolg von Amazon beruht weniger auf der Online-Präsenz, als vielmehr in der Umsetzung des Kundenwunsches – der Kunde „zieht“ (Pull-System) nur das, was er wirklich will.

    Dies führt dazu, dass die Waren bereits heute dort sein müssen, wo sie morgen bestellt werden. Der Warenbedarf wird aufgrund von BigDataAnalytics ermittelt, in dem das Suchverhalten der potentiellen Kunden statistisch ausgewertet wird. Herfür bedarf es einer sehr großen Datenmenge, ansonsten sind die Ergebnisse Makulatur. Und diese große Datenmenge haben klassische Händler nicht, da sie immer noch auf den Impulskauf setzen und einerlei Kundendaten erheben.

    Aktuell sucht Amazon zentrale Flächen zur Bevorratung dieser Waren in Innenstädten: ungenutzte Büroflächen, drittlagige Ladenflächen, Kellerräume – und auf einmal gelten die „alten“ Assetklassen nicht mehr – die Immobilienbranche ist ratlos 🙁

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