Salut, zusammen. Nach einer kreativen Pause geht’s nun weiter auf diesem Blog. Frisch aus der Druckerpresse das Frühjahrsgutachten der Immobilienwirtschaft, das neben den alljährlichen Jubelmeldungen über den deutschen Immobilienmarkt auch immer einen Sonderbeitrag über ein zeitgenössisches Thema enthält. Dieses Jahr, wenig überraschend, die „Auswirkungen digitalisierter Märkte auf die Immobilienwirtschaft“. Digitalisierung gab es im Frühjahrsgutachten auch schon früher, dann aber zu den Auswirkungen der Entwicklung des Online-Handels auf den stationären Einzelhandel. Nun also die „digitalisierten Märkte“. Ganz nebenbei immer wieder ein provokatives Thema für eine Branche die stolz darauf ist, ein tangibles Asset noch dazu von eminenter Bedeutung zu bewirtschaften und nicht nur Daten herum zu schieben.

Der Titel ist auch ein wenig irreführend. Autor Jan Hebecker (ImmobilienScout24) schreibt wenig zu den Auswirkungen des Megatrends Digitalisierung auf die Immobilienwirtschaft. Statt dessen geht es um einige grundlegende Aspekte der datenbasierten Wertschöpfung. Die lautet: 1. Sammeln und Strukturieren, 2. Extrahieren und Analysieren, 3. Verarbeitung und Verdichtung zu nützlichen Services. Zusammen Business Intelligenz, irgendetwas zwischen Big und Small Data. Eigentlich auch nichts wirklich Neues. Mit BI beschäftigt sich die Softwarebranche bereits seit einiger Zeit. Und ja, neue Technologien können immer größere Datenmengen immer schneller erschließen. Trotzdem werden die von Hebecker beschriebenen Schritte in den wenigsten Fällen konsequent durchgeführt. Stattdessen Flickwerk: Hier ein wenig sammeln (Datenräume), da ein wenig Analysieren, aber immer möglichst anwendungsorientiert. Für weitere Nutzungen stehen die Daten in den wenigsten Fällen weiter zur Verfügung.

Es wäre spannend, einmal zu untersuchen, welche von den gepriesen Analysetools in Immobilienunternehmen zum Einsatz kommen. Nicht so arg viel, wage ich zu behaupten. Aber woran liegt das? Eine Vermutung ist, dass in den vorhandenen Asset-, Property- und Facility Management ja auch schon eine ganze Menge Business Intelligenz steckt. Die Erkenntnisse, die man im Alltag braucht, werden von diesen Systemen bereits geliefert. Und was man sonst noch mit all den schön gesammelten, strukturierten und extrahierten Daten machen kann, weiß man eigentlich noch gar nicht. Ohne eine konkrete Vorstellung von dem Nutzen neuer Analysetools und dem Sekundärwert der Daten zu haben, wird eben ungern investiert. Nicht mehr das philosophische „ich weiß, dass ich nichts weiß“, sondern „ich weiß nicht, was ich wissen kann“. Gefragt ist also das klassische kreative Menschenhirn, dass die Fragestellungen entwickelt, mit denen man Tools und Algorithmen füttert. Das Tool, das uns verrät, was wir mit den Datenschätzen anfangen können, gibt es nämlich noch nicht.

Quo Vadis 2016: Frühjahrsgutachten und Digitalisierung

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