Eine der spannenderen Rubriken bei deutsche start-ups.de ist „offline“. Gleichsam die Todesanzeigenrubrik der Szene. Neueste Nachricht: Rocket Internet beerdigt Vendomo. Noch vor 2 Monaten vermeldete das Branchenmagazin, Vendomo starte nun richtig durch und wolle die Vermarktung von Immobilien revolutionieren… Kurze Zeit später stellt Rocket Internet fest: “Das Kundeninteresse an Vendomo war sehr groß. Leider haben wir in der Zwischenzeit noch mehr über den Markt gelernt und einige Merkmale machen ihn weniger interessant. So gibt es jetzt eine Vielzahl von Internet-Unternehmen, die sich mit dem Thema beschäftigen.“ Da darf man über die Sorgfalt von Rocket Internet beim Investieren einmal staunen. So sehr lange war Vendomo (zuvor RightHome) zwar noch nicht am Markt, aber lange genug um zu bemerken, dass Maklerplattformen – nun ja – jedenfalls nicht einsam sind. In Berlin ist derzeit ja viel von der angeblich professionelleren und reiferen Gründerszene die Rede. Auch rühmt man sich, London bei der Höhe der Start-Up Investments überholt zu haben (2,2 Mrd. vs. 1,5 Mrd.). Aber ein guter Teil der Investments kommen ja offenbar von den Samwer-Brüdern. Und um deren Investmentexpertise muss man sich zuweilen Sorgen machen. 20 Mitarbeiter von vendomo werden nun also umgeschichtet, vorwiegend auf ein anderes Rocket-Projekt namens Caterwings, einen Marktplatz (bescheiden wie immer „das Amazon“) für Caterer. Man ist flexibel in Berlin…

Bitte, nicht falsch verstehen: Respekt vor dem Mut der Vendomo-Gründer – Scheitern ist nicht das Thema. Vielmehr die oft gerühmte Investorenzunft, die mit ihrer angeblich knallharten Prüfung von Business-Plänen angeblich ein wichtiger Prüfstein für Gründer ist. Die Vendomo-Idee war so schlecht nicht: Maklerleistungen zum Festpreis. Das war eine hübsche Provokation und legte die Axt an das von der Zunft so leidenschaftlich verteidigte und von den Verbrauchern so geschmähte Vergütungsmodell der Maklerschaft. Und damit an eine der am häufigsten genannten Begründungen für den angeblich so schlechten Ruf der Immobilienbranche insgesamt. Das Festpreismodell sollte laut Vendomo durch weitere „Digitalisierung und Professionalisierung“ möglich werden. € 2.900 sollten damit bei einer Wohnungsvermittlung ein fairer Preis für den Wohnungssuchenden sein. In der üblichen großspurigen Rhetorik der Jungunternehmer wurde gleich wieder von Revolution gesprochen und der Abgesang der traditionellen Makler angestimmt.

Den üblichen Start Up -Klamauk einmal beiseite, warum ist die Idee gescheitert? Können die traditionell abrechnenden Makler jetzt triumphieren und darauf verweisen, dass ein solches Festpreismodell einfach nicht funktionieren kann? Oder – wie geschehen – das Mantra von der Notwendigkeit persönlicher Beratung wiederholen und damit das Potential der weiteren Digitalisierung des Maklerberufs leugnen? Die wahren Gründe sind noch nicht bekannt. Die Abruptheit des Scheiterns von vendomo lässt eher auf ein „disruptives“ Ereignis anderer Art schließen. Nehmen wir den Aufstieg und Fall vendomos als Teil des göttlichen Ringens um den wahren Wert einer Maklerleistung. Das letzte Wort zum Festpreismodell ist damit noch nicht gesprochen.

Start Up Friedhof: Neuster Zugang Vendomo

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