Beim Bauen geht es nicht nur um BIM. Streng genommen ist der BIM-Anwendungsbereich auf absehbare Zeit sogar relativ klein im Verhältnis zum Gesamtbauvolumen. Die öffentliche Hand will sich jedenfalls zunächst auf Großvorhaben beschränken, sowieso geht es nur um Neubau. Doch Innovation im Baubereich beschränkt sich nicht auf BIM. Hier ein paar spannende Innovationen ohne Anspruch auf Vollständigkeit (und ohne Beschränkung auf Deutschland). Einiges davon mag noch Fiktion sein, Manches ist aber nur eine Frage der Zeit…

Neue Plattformen kümmern sich natürlich in der Bauwelt der Zukunft um fast alles in dem Bemühen, die Prozesse auf und außerhalb der Baustelle zu verbessern: Das Dokumentenmanagement sowieso, die Dokumentation der Baustelle und jede andere Form der Kommunikation. Das ist alles sehr praktisch, aber nicht sonderlich disruptiv. Interessanter ist der Einzug der sharing economy in die Baubranche, Uber sei Dank. Von Konstruktionsplänen, überschüssigen Baumaterialien,  (z.B. dirtmarket) bis zu Baumaschinen (equipmentshare) und Einrichtungsideen (z.B. houzz) lässt sich alles teilen. Im Übrigen ja auch das Haus selbst (couchsurfinghomelink, u.a.).

Modulares Bauen ist zwar nicht mehr neu, wird aber immer ausgefeilter –  und industrieller, d.h. automatisierter. Wetten, dass die Bauwirtschaft sich mit 3 D-Druckern beschäftigt? Schon länger löst sich der früher einfache Gegensatz Fertighaus vs. Architektenhaus auf. Fertighäuser lassen sich immer individueller bauen, verlieren damit aber auch ihren Preisvorteil. Neu ist die Tendenz zum Construction on Demand (z.B. eplan). Der Bauherr verbringt nicht mehr Stunden in den Showrooms von Fertighausherstellern oder in spartanischen Architektenbüros, sondern plant sein Traumhaus abends bei einem Glas Rotwein auf dem heimischen Sofa. Da kann dann gleich die ganze Familie mitreden (ok, zweifelhafter Fortschritt). Die Haus- und Hofwünsche gehen dann zum ausführenden Unternehmen, dass seine 3-D Drucker anwirft, das Haus ausdruckt und liefert. Natürlich mit einem fahrerlosen Lastwagen. Mitgeliefert werden gleich auch die Roboter, die die Einzelteile zusammenbauen (ConstructionRobotics).

Sanierung verläuft nach demselben Muster. Die Technik meldet sowieso per Sensor, wann sie ihren Geist aufgibt und ordert gleich die Reparatur(roboter). Aber auch für die Gebäudestruktur hilft das IoT Sanierungsbedarf frühzeitig zu erkennen. Wo Sensoren noch nicht so weit sind, erfolgt der Instandhaltungscheck durch die Nutzer, die per Datenbrille dem Verwalter einen regelmäßigen Gebäudescan liefern. Die Gebäudehülle lässt sich übrigens recht einfach auch mit Drohnen analysieren, wie wir gerade lernen. Oder noch besser, per Satellit! Realität geworden ist Ersteres bereits in Holland. Energiesprong tut sich den Tort nicht mehr an, im Haus nach zugigen Fenstern und anderen Wärmeverlustursachen zu forschen. Wozu gibt es die geflügelten Freunde? Husch, auf den Weg gebracht, keine mühselige Fassadenkletterei, per Joystick wird die Hütte von vorne bis hinten vermessen. Dann die Fassade in der Fabrik nachgebaut (nachgedruckt?) und über die alte Hülle gestülpt. Schon ist es wieder kuschelig. Klingt irre, ist aber für die Niederländer offenbar so einleuchtend, dass Energiesprong kürzlich den Auftrag bekommen hat, mehr als 100.000 Häuser damit zu Null-Energie-Häusern zu machen. Und die Diskussion über Ersatzneubau ist damit auch beendet.

Verzeiht, liebe Bauleute, wenn ich viele andere Innovationen nicht auch gewürdigt habe. Nach einigen trockenen Analysen juckte es mich einfach, einmal wieder einen Blick in die Zukunft zu werfen und aus den vorhandenen Mosaiksteinen ein neues Bild vom Bauen zu entwerfen. Ein wenig Spaß muss sein.

Baufantasien: Nicht nur BIM

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