Willkommen in 2016, liebe Leser. Das Feuerwerk liegt hinter uns. Back to work. Und das heißt heute noch ein (vorletztes) Mal die Beschäftigung mit dem IREBS Innovation Monitor. Der ist auch beim zweiten Lesen immer noch ein seltsames Stück Lektüre. Vor allem, weil auf eine Einordnung der Ergebnisse gelegentlich verzichtet wird. Beispiel: Zum Thema Innovationstreiber erfahren wir nach einem längeren akademischen Prolog über exogene und endogene Faktoren und darüber, dass Krisen als Innovationsauslöser betrachtet werden können (wer hätte das gedacht!), dass Kundenwünsche in der Immobilienbranche selten Auslöser für Innovationen sind. Dafür aber offenbar die Chefs. „In den meisten Fällen ist das Thema Innovationen in der Unternehmensstrategie verankert“ heißt es in diesem Zusammenhang. Klingt gut, oder? Aber stimmt das auch? Kurz darauf erfährt man, dass der Institutionalisierungsgrad bei den betrachteten Unternehmensgruppe bestenfalls schwach ausgeprägt ist. Was ist denn daran Strategie? Insgesamt stimmt einen dieser Befund doch eher bedenklich. Am Chef hängt immer alles. Aber wenn der nun mal nicht auf dem Innovationstrip ist, aus welchen Gründen auch immer, dann passiert eben auch nichts. Das böse Wort vom „Chief Innovation Killer“ hat schon einmal die Runde gemacht. Zahlen gibt es zu diesem (und anderen) Befunden leider nicht.

U.A. bietet das Kapital „Innovationstreiber“ auch die allfällige Abfrage der Einschätzung zu Trends in der Immobilienwirtschaft. Und siehe da, der gute alte demografische Wandel und die Nachhaltigkeit werden als Haupttrends gesehen. Erst an 3. Stelle kommen Online-Marktplätze. Man kann nicht ausschließen, dass die Schwarmintelligenz sich am Ende als klüger erweist; aber wundern darf man sich doch, warum so viel über Digitalisierung geredet wird und am Ende offenbar nur die Online-Marktplätze in Erinnerung bleiben. Wird unser Thema nur gehypet? Übrigens, noch etwas Anekdotisches: Die Themen Sharing Economy, Smart Homes und Big Data „haben die Branche noch nicht gänzlich durchdrungen“, wie es so hübsch heißt. Gleichwohl werden Sharing Economy und Big Data offenbar zu den größeren Chancen für die Branche gezählt. Nach „wir machen zwar nicht viel, aber die anderen noch weniger“ also jetzt „wir wissen zwar nicht viel darüber, aber es wird bestimmt toll“. 3D-Druck wird übrigen für noch aussichtsreicher gehalten. Da wäre es schön zu wissen, welcher Cluster das behauptet.

Auch darüber hinaus geben die Ergebnisse der Studie wenig Anlass zu Euphorie. Thema Institutionalisierung: Insgesamt scheint das Thema Innovation bei Unternehmen der Immobilienbranche vergleichsweise wenig institutionalisiert, heißt es diplomatisch. Nur etwa ein Drittel der Teilnehmer haben Innovationen in ihrem Unternehmen in wenigstens einer schwachen Form institutionalisiert. Innovationsmanager (außer den Chefs…) gibt es nur in jedem 4. Unternehmen (immerhin). Das sind dann die, mit wenigstens etwas Institutionalisierung – und größeren Erfolgen. Innovationsprozesse: Weitgehend Fehlanzeige. Ressourcenbereitstellung: Mickerig.

Bevor wir uns aber die letzten Haare ausraufen über so viel vermeintliche Bräsigkeit, ist vielleicht doch einmal die grundsätzliche Frage angebracht, warum das Bild so ist wie es ist. Ehrlich gesagt, die Manager und Managerinnen, die ich kenne sind, weder dumm noch risikoscheu noch technophob. Und doch schneidet unsere Branche beim Thema Innovation im Vergleich mit anderen Branchen schlecht ab. Über die Gründe sollte man einmal mehr als spekulieren. Ich wäre gespannt zu hören, was Sie, liebe Leser, dazu denken. Und darf mich mit einer These nach vorne wagen: Ein wesentlicher der vermutlich vielen Gründe für den flächendeckenden Innovationsattentismus ergibt sich aus einem nur beiläufig behandelten Ergebnis des Innovation Monitor. Danach hat die Einführung von Innovationen in der Breite bisher nicht zu Kosteneinsparungen geführt. Ob sie auf der anderen Seite zu Umsatz- und Gewinnsteigerungen führt, scheint für viele auch noch nicht ausgemacht. Das Einkommen der Immobilie resultiert aus den Mieten. Wie sich „Produktinnovationen“ auf die Mieten auswirken, ist aber noch nicht nachgewiesen. Man darf vermuten, dass es 1. noch keine Innovationsprämie gibt, allenfalls wird einem der Abschlag erspart. Und 2. bekommt man in der aktuellen Situation offenbar in guten Lagen ohnehin alles vermietet. D.h in schlechten Lagen wird Innovation nicht honoriert, in guten braucht man sie nicht. Erinnert uns das an die Nachhaltigkeitsdiskussion? Tut es. Liebe IREBS, es wäre total interessant in der nächsten Auflage zu erfahren, für welche Innovationen Mieter mehr zu zahlen bereit sind.

 

Nach dem Kater: Innovation Monitor 2.0 Teil III

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