Beenden wir das Jahr wie es sich gehört mit dem Versuch eines Ausblicks auf 2016 – und ein wenig darüber hinaus. Das dürfte spannend werden. PropTechs gelten als einer der Trends in der Szene (sagt jedenfalls www.t3n.de/news/startup-trends-2016-661011/). Das ist nicht unwahrscheinlich. Der Nachholbedarf ist groß und schon 2015 war nach Auskunft von Barkow Consulting mit 7 Finanzierungsrunden ein gutes Jahr für die noch junge Branche. Leider sagt er nicht, wie viel Geld dabei geflossen ist. Aber dass die Sache gerade erst an Schwung gewinnt. Nach Barkows Zählung gibt es derzeit 67 PropTech Start Ups (und etwa fünf Mal soviel FinTechs). Da ist noch Luft nach oben.

Wette Nr. 1: Plattformen für alles und jedes dürften weiterhin in Mode bleiben. Was aber kommt, wenn die low hanging fruits geerntet sind?

Wette Nr. 2:  Die nächste Welle wird die Informationsverarbeitung und – analyse der Immobilienunternehmen in den Fokus nehmen. Das muss nicht gleich Big Data heißen, aber verbesserte Datenanalysen wären schon hilfreich. Die Spielwiese ist groß, denn allzu oft müssen dazu noch ganz grundsätzliche Fragen gelöst werden wie der möglichst reibungsfreie Übergang von der analogen in die digitale Welt. Wobei man sich den Übergang nicht als eine vollständige Ablösung von Feder und Tinte durch Bits und Bytes vorstellen darf. Ersteres wird es immer geben, schon weil in einigen nicht unwesentlichen Bereichen das Schriftformerfordernis gilt. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, die beiden Welten möglichst konfliktfrei nebeneinander zu organisieren. Dort tut sich bereits Einiges. Und da nur ein kleiner Teil der Immobilienbranche eine Größenordnung besitzt, dass Thema In-House zu organisieren, werden sich (zunächst) Dienstleister der Sache annehmen.

Wette Nr.3: So schick es ist, den Blick auf die kleinen Herausforderer der etablierten Unternehmen zu richten, über Gründungen, Finanzierungsrunden und Pleiten zu berichten; die Großen machen sich auch auf den Weg und werden Kapitalstärke und Marktmacht nutzen. Die Christensen’sche These vom Innovatoren-Dilemma wackelt ja schon seit einiger Zeit. Die größte Gefahr für die Kleinen liegt darin zu glauben, die Großen könnten es einfach nicht. Goliath ist noch lange nicht k.o., die Beratungshäuser werden voran marschieren. Und sei es durch gezielte Investments in kapitalhungrige Davids.

Wette Nr. 4: Virtual Reality wird wachsen. Die persönliche In-Augenscheinnahme einer Immobilie wird fester Bestandteil jeder Vermietung und Veräußerung bleiben. Eine der Stärken des Assets Immobilie ist ja nun einmal ihre Haptik, die will erlebt sein. Aber warum sollte es beim Vertrieb von Immobilien anders sein, als sonst im Handel. Der Kunde informiert sich gerne vorab auf dem Sofa (oder am Schreibtisch) in Ruhe über möglichst viele Aspekte seiner Wahlimmobilie. Bunte, photogeshoppte Propektbildchen werden nicht mehr reichen. Und interessierte Kreise gibt es auch außerhalb von potentiellen Mieter und Käufern. Wer weiß, ob nicht auch bald die Genehmigungsbehörden digital informiert werden wollen? Oder evt. die Öffentlichkeit? Das Thema Bürgerbeteiligung ist ja noch nicht vom Tisch. Und mal ehrlich? Wie lange wird man den Bürger noch öde Planungszeichnungen in irgendwelchen Hinterzimmern zur Einsicht vorlegen und dann behaupten können, die Öffentlichkeit sei informiert worden?

Letzte Wette: Komplexität verliert, Vereinfachung gewinnt. Die größte Chance haben Ideen, die es schaffen, scheinbar komplizierte Dinge einfach zu machen. Anwendungen mit Hunderten von Funktionen, Dutzenden von Fenstern, Massen von Informationen auf einer Bildschirmseite überfordern den Nutzer, ob nun Profi oder Amateur. Dass auch komplexe Technik für den Anwender einfach sein kann, haben uns Apple und Google bewiesen.

Insgesamt ist das Interesse an Digitalisierungsthemen überall in der Branche 2015 spürbar gestiegen. Insofern kann man hoffen, dass auch die Investitionen 2016 deutlich steigen. Ganz allgemein würde auch eine nette kleine Rezession dem Nachdenken über innovative Geschäftsmodelle zuträglich sein. Aber die ist nicht absehbar, seufz! Ob die Branche klug genug ist, auch in guten Zeiten einmal an die Zukunft zu denken?

Ich wünsche Ihnen einen guten Jahreswechsel und einen guten Start ins Jahr 2016.

PropTechs 2016: Ready for Take Off

Ein Gedanke zu „PropTechs 2016: Ready for Take Off

  • 5. Januar 2016 um 7:27
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    Würde noch den Punkt Internet of things (IoT) ergänzen: wie Google bereits mit NEST, werden weitere Datensammler – z.B. August Smart Lock oder auch das deutsche DoorBird – aber auch alle Anbieter von Haushalts- und Freizeitgeräten wertvolle Informationen zu den Kunden – den Mietern – gewinnen und daraus Vorteile zum Wohle dieser Kunden generieren – i.d.R. kostenfrei.

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