Und weiter geht’s mit dem Versuch, nach dem Weihnachtsschmaus nun auch den Innovation Monitor 2.0 zu verdauen. In der letzten Ausgabe hatten wir einen Blick auf die schon etwas verblichenen Ergebnisse der ersten Studie geworfen. Nun also die Story, die uns die Fortsetzung dieser, ich sag es noch einmal, verdienstvollen Grundlagenstudie erzählen könnte. Warum, werden Sie fragen, kommt jetzt erst ein Bericht über eine Studie, die schon seit einigen Wochen vorliegt? Hier sind die Gründe: 1. Im September/Oktober gab es diesen Blog noch nicht. 2. Die Berichterstattung kam in 95 % aller Fälle mit der Botschaft daher, dass die Immobilienwirtschaft bei Innovationen hinterherhinkt. Und zwar mehr oder weniger wortgleich. Schlimmer noch die Schlagzeile „Makler vom Aussterben bedroht“ (mit und ohne Fragezeichen). Also 3. Die Studie hat mehr verdient und 4.  Ein Blog, der sich innovativen Geschäftsmodellen in der Immobilienbranche widmet, kann sich dafür etwas mehr Zeit nehmen (und lassen). Denn ein Blick in die Zahlen des Monitors ist für junge wie etablierte Unternehmen in jedem Fall erhellend (und gelegentlich ernüchternd).

Was also sind die Erkenntnisse? Ein erster Gewinn für den in der Immobilienbranche offenbar weit verbreiteten Innovationsanfänger ist bereits das Studiendesign. Denn ganz ehrlich. Wer hat sich bisher die Mühe gemacht, die Erkenntnisse und Kategorien der Innovationsforschung einmal auf unserer Branche zu übertragen? Also versuchen wir uns an Begriffe wie „Innovationstreiber“ (einfach), „Innovationscluster“ (mittelschwer) und „Diffusion“ (erst einmal ?) zu gewöhnen. Kann jedenfalls nichts schaden. Zweite Erkenntnis: Immerhin 150 Unternehmen haben sich an einer Umfrage mit 144 Fragen beteiligt! Entweder die Leute haben zu viel Zeit oder – wahrscheinlicher – das Ergebnis ist ein Zeichen dafür, dass Innovation gerade sehr angesagt ist. Offenbar waren darunter sogar kleine und junge Unternehmen. Leider verschweigt die Studie die Zahl, was Raum für Spekulationen lässt. Und auch, wie hoch die Rücklaufquote war. Ehrlicher ist die Studie mit dem hier und da eingestreuten Eingeständnis, dass die Teilnahme von Unternehmen, die eine gewisse Innovationsneigung haben, wahrscheinlicher ist, als die Teilnahme von Unternehmen, die nur Fehlanzeige vermelden könnten. Etwas sonderbar kommt die notwendige Clusterung daher: Dass Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater zu Immobilienbranche gehören, mag man mit etwas Bedenken hinnehmen. Warum sie sowohl als Berater als auch als Spezial-Berater auftauchen, erschließt sich trotz Erklärung nicht ganz. Aus der Bauphase wurden Architekten und andere Planer, Ingenieure und Projektentwicklung aufgenommen, Bauunternehmen erscheinen hingegen nicht.

Erster Fragenkomplex: Einstellung der Befragten zur Bedeutung von Innovationen. Mehr als 50 % finden Innovationen irgendwie offenbar wichtig. 30 % finden, Innovationen spielen keine besondere Rolle. Rund 70 % meinen, dass die Bedeutung in den nächsten 10 Jahren irgendwie zunehmen wird. Was soll man davon halten? Ich persönlich finde ja diejenigen Teilnehmer am Spannendsten, die sich beteiligen und ehrlich zugeben, dass Innovation für sie keine Bedeutung hat. Typ ehrlicher Dinosaurier, irgendwie sympathisch. Zum Abschluss für heute etwas Lustigeres zum Thema Umsetzungsstärke von Innovationen: Fast alle Teilnehmer schätzen ihre Innovationsstärke höher ein als die ihrer Wettbewerber. Gleichzeitig sind nur bei den Spezialberatern, Beratern und Ingenieuren mehr als die Hälfte der Meinung ihr Unternehmen würde Innovationen erfolgreich umsetzen. Heißt: Wir machen zwar auch nicht viel, aber die anderen machen noch weniger. Wäre traurig.

Was fehlt: Wie auch in der ersten Ausgabe aus meiner Sicht zumindest eine Annäherung an den Begriff „Innovation“. Denn je länger man die Studie liest, desto mehr drängt sich der Eindruck auf, dass jeder unter Innovation etwas anderes versteht. Und jeder irgendwie innovativ sein darf. Aber ist die Umstellung auf „open space“ – Büros wirklich (noch) eine Innovation? Ich frag mal die IREBS, was die dazu meinen und trage das nach.

IREBS Innovation Monitor 2.0 Teil 2: Besuch im Jurassic Park

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