Manchmal können sie einem tatsächlich leid tun, die Damen und Herren WissenschaftlerInnen. Empirische Studien sind ein Elend, von dem die Welt zu wenig weiß: Die mühsame Zusammenstellung eines wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Stichprobenverteilers, tagelange Arbeit zur Erstellung eines sinnvollen Fragenkataloges, der mühselige Kampf um eine ausreichende Zahl an Rückläufen. Trostlose Ergebnisse müssen geschickt formuliert werden, um die Auftraggeber nicht zu verprellen.

Das Verdienst, sich diesen Tort angetan zu haben, gebührt im Fall des IREBS Innovation Monitor 2.0 dem Team um Tobias Just. Ja, Deloitte und der ZIA waren auch beteiligt, aber die meiste Arbeit dürfte die IREBS erledigt haben.

Es liegt in in der Natur der Sache, dass empirische Studien häufig nur bestätigen, was jeder schon zu wissen glaubte. Und dass Volkswirte und Ökonometriker keine Lyriker sind, ist auch bekannt. Mit einigem Kaffee lässt sich dem Zahlenwerk durchaus die ein oder andere Perle entringen. Weil der IREBS-Monitor keine Kurzstudie ist (86 Seiten) und in seiner Gänze – wie gesagt – auch recht schwer verdaulich, erlaube ich mir die Ergebnisse portionsweise aufzubereiten. Heute also Teil I: Blick zurück auf den 1. Innovation Monitor. Erinnern wir uns?

Darin, vor zwei Jahren, wurde das Thema Innovation in der Immobilienwirtschaft zunächst sehr grundsätzlich aufgerissen. In Anbetracht des gravierenden Forschungsmangels ein verdienstvolles Unterfangen. Die Fragen: Wie bedeutsam ist das Thema Innovation für die Immobilienwirtschaft? Wie innovativ ist die Immobilienwirtschaft im Vergleich zu anderen Sektoren und wie innovativ sehen sich die einzelnen Marktteilnehmer selbst? Welche radikalen/disruptiven Innovationen gibt es? Gibt es unterschiedliche Innovationsschwerpunkte in den einzelnen Segmenten?  Und wie kann die Immobilie selbst als Innovationskatalysator wirken?

Interessante Erkenntnisse damals: Innovationskraft wird u.a. an der Zahl der angemeldeten Marken und Patente gemessen. Das deutsche Marken- und Patentamt führt die Immobilienwirtschaft aber nicht einmal als eigene Kategorie. Nur die Bauwirtschaft, die mit 1,8 % (2013) der angemeldeten Patente auch nicht gerade ein innovativer Vorturner ist. Also wurde die Produktivität gemessen, in der Annahme, dass innovative Unternehmen produktiver sind. Der Vergleich der Innovationsdynamik der Immobilienwirtschaft mit anderen Branchen fiel dabei übrigens weniger schlimm aus, als befürchtet. Zwar sind die Produktivitätsfortschritte in der Branche überschaubar, um es vorsichtig zu formulieren, aber die Produktivität ist im Vergleich zu anderen Branchen schon sehr hoch. Wissenschaftlich etabliert ist offenbar mittlerweile auch die „kombinierte google-Abfrage“ als Messinstrument. D.h. man gibt „Immobilienwirtschaft“ und „Innovation“ bei google ein und zählt die Anzahl der Treffer (5,7 Mio. seinerzeit) im Vergleich zu anderen Branchen. IT hat 272 Mio. Treffer. Wenn man noch die Wertschöpfung ins Verhältnis setzt, ist das Ergebnis einigermaßen ernüchternd.

Gründe hierfür: Intransparenz, beschränkter Patentschutz, hoher (Fremd-) Kapitaleinsatz und enge Verflechtung mit Fremdkapitalgebern, für die Innovation auch immer Risiko bedeutet (interessanter Aspekt: Banken bremsen Innovationen!).

Den Abschnitt über Diffusion und die Bedeutung von Produkt-, Prozess oder Serviceinnovationen und das 4-Phasen Modell zur Ermittlung disruptiver Innovationen erspare ich Ihnen. Viel hübsche Modelle, recht akademisch. Ergebnis: Bisher keine disruptiven Innovationen in unserer Branche. Der Rest der Studie befasst sich u.a. mit Fragen, die im Monitor 2.0 noch einmal auf einer breiteren empirischen Grundlage behandelt werden. Insofern kann man es bei diesem kurzen Rückblick belassen, die Kaffeetasse abstellen und Kräfte sammeln für die nächste Folge.

 

 

Verdienstvoll, aber trocken: Der IREBS Innovation Monitor

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