Kehren wir zwischendurch einmal wieder an den Anfang der Wertschöpfungskette zurück. Wie schon berichtet, macht die Bauwirtschaft ernst mit der Digitalisierung. D.h. zunächst einmal der Staat. Minister Dobrindt hat am vergangenen Dienstag zum Zukunftsforum Digitales Planen und Bauen geladen und seinen Stufenplan verkündet. Bis Ende 2020 soll BIM für Aufträge der öffentlichen Hand obligatorisch werden. Digitales Planen und Bauen soll bundesweit Standard werden (www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Publikationen/DG/stufenplan-digitales-bauen.pdf?__blob=publicationFile). Damit folgt die Bundesregierung dem englischen Beispiel, wenn auch mit einigen Jahren Abstand: In Albion wird BIM bereits seit 2016 für öffentliche Aufträge verbindlich. Das Weihnachtsgeschenk der Politik ist – wie es deutscher politischer Tradition entspricht – einigermaßen weichgespült: Die BIM-Pflicht gilt zunächst nur für Verkehrsinfrastrukturaufträge im Bereich des BMVI. Für Hochbauaufträge gibt es noch keine zeitliche Vorstellung. Über den Hintergrund dieser höchst begrenzten Einführung darf man spekulieren. Entgegen kommt sie neben den personell und sachlich schlechter ausgestatteten Landes- und kommunalen Auftraggebern jedenfalls den kleinen und mittleren Vertretern der Architektenzunft (also fast allen), die fürchtet, durch den Einsatz von BIM mit den größeren Büros nicht mehr mithalten zu können.

Auch interessant in diesem Zusammenhang: Ausgearbeitet wurde der Stufenplan durch die mittlerweile fast verschollen geglaubte planen-bauen 4.0 GmbH, eine im Februar diesen Jahres auf Initiative des BMVI unter einigen Schmerzen zustande gekommene Industrieinitiative von mehr als einem Dutzend Verbände der „Wertschöpfungskette Bau“, wie heißt. Ein Immobilienverband ist allerdings auch dabei. Das vermittelt zumindest ein wenig Hoffnung, dass auch die Immobilienbranche etwas von BIM hat.

Also, für die, dies es noch nicht wissen: planen-bauen 4.0 ist die Initiative aller relevanten Kammern und Verbände der Wertschöpfungskette Planen, Bauen und Betreiben (letzteres sich nicht) zur Einführung von digitalen, den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken sowie Immobilienprojekten abbildenden Geschäftsprozessen. Nationale Plattformgesellschaft, Kompetenzzentrum und zentraler Gesprächspartner im Bereich Forschung, Regelsetzung und Marktimplementierung von Building Information Modeling (BIM). planen-bauen 4.0 hat es erst vor kurzem geschafft, mit Jan Tulke einen dauerhaften Geschäftsführer zu finden. Wie das Leben aber manchmal so spielt, haben sich aber die Interimsgeschäftsführer Ilka May und Helmut Bramann als Glücksfälle für die Initiative erwiesen. Die erfahrene, gut vernetzte und kluge Arup-Managerin und der Bauindustrieverbands-Abteilungsleiter haben es offenbar geschafft, den Auftrag des BMVI zur Vorbereitung des Stufenplans, mit dem sich Herr Dobrindt jetzt schmücken darf, ohne größere eigene Ressourcen fristgerecht zu erledigen. Respekt!

Die Sache mit dem Lebenszyklus lassen wir unkommentiert. Und wie rasch planen-bauen trotz Architekten vorankommt, ist natürlich auch noch offen. Aber immerhin, eine Initiative mit persönlicher Rückendeckung der Bundesregierung. Von einer derartigen Plattform ist die Immobilienbranche noch weit entfernt. Vielleicht muss auch sie erst einmal für ein paar Milliardengräber sorgen, um politische Unterstützung zu erhalten… Ob die gewünschte flächendeckende Einführung gelingt, hängt nicht allein an planen-bauen 4.0 und der Bundesregierung, sondern an den privaten Auftraggebern. Und damit an der Immobilienwirtschaft. Man darf gespannt sein, ob sie die Chancen, die sich mit BIM verbinden, zu nutzen versteht.

Weihnachtsgeschenk: BIM bald verbindlich bei öffentlichen Aufträgen

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