Für Szenebeobachter ist es ja häufig wohlfeil, sich kritisch über Fachveranstaltungen zu äußern. Und ja, viele stark beworbene Veranstaltungen halten nicht, was sie versprechen. Immobiliendigitalisierungsveranstaltungen bilden da (trotz ihrer inflationären Zahl) derzeit noch eine Ausnahme. Nicht nur wegen der frischen Gesichter, die dort allmählich öfter gesichtet werden. Wo dürfen Vortragende dem geneigten Publikum nonchalant ihren bevorstehenden – und unausweislichen – Tod verkünden? Und werden dafür noch gefeiert! So auch gestern bei der Greenberg Traurig (vormals Olswang), ZIA, und, und und – Immobilienkonferenz 2015. Wegen der großen Zahl an Eindrücken nur in Stichworten: Christoph Reese (Silicon Valley: Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt, sehr empfehlenswert, deswegen hier einmal Werbung dafür): kurz, brilliant, emphatielos über das Silicon Valley, den Unterschied von Disruption und Innovation und der Unfähigkeit von etablierten Unternehmen, selbst disruptiv zu sein. Gilt aber scheinbar nicht für Axel Springer. Die Diskussionsrunde mit kiwi.ki, immomio und smoove (wir erinnern uns: Die personifizierte „Revolution der Immobilienbranche“) vermittelte interessante Eindrücke: Die „Disruptoren“ schrumpfen bei unmittelbarer Betrachtung auf ein symphatisch normales Niveau. Jung, smart, selbstbewusst, ein wenig flotteres Outfit. Aber auch noch mit unsicherer Orientierung in Immobilienzirkeln. Einer gab sogar zu, noch viel über die Branche lernen zu müssen! Wenn das mal nicht schädlich ist für die bevorstehende Disruption… Zuletzt eine längere, für die Praxis sicher relevante, aber eben doch wenig enthusiastische Diskussion darüber, wie wir unsere Daten schützen (müssen). In Deutschland werden mit den Chancen eben immer auch gleich die Risiken ausgelotet.

Mal ehrlich – und etwas zugespitzt: Warum steht eigentlich keiner der vielen Vertreter renommierter Unternehmen auf und wehrt sich gegen sein Todesurteil? Da sitzen ein paar Youngster mit einer Handvoll Mitarbeiter, sind seit ein paar Monaten am Markt und behaupten lässig, sie könnten alles besser. Und niemand widerspricht. Glaubt denen eh keiner? Oder – schlimmer noch – stimmen alle insgeheim zu? Sind die Leute nervös? Oder zu höflich? Neben vielen spannenden Gesprächen am Rande blieb diese Frage unbeantwortet. Anschließend begab man sich, ziemlich uncool, ins Adlon zum gepflegten Abendessen (oder Leichenschmaus?).

P.S.: Fast unbemerkt wurde am Rande ein Thema gestreift, das auch spannend ist, aber noch sehr stiefmütterlich behandelt wird. Der Datenschatz der öffentlich Hand nämlich. Dazu bei anderer Gelegenheit mehr.

GT Immobilienkonferenz 2015: Immobilienunternehmen aller Welt, erhebt euch!

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