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Sie ist jetzt schon ein paar Tage alt, aber trotzdem lohnt sich ein Blick auf Catellas Big Data Studie (www.catella-realestate.de/uploads/media/Catella_Research_Big_Data_2015_de.pdf) immer noch. Soweit erkennbar die erste derartige Studie für die Immobilienbranche. Die viele interessante Erkenntnisse bringt und als Blaupause für weiteren Research-Bedarf dienen dürfte. Thomas Beyerle: Bitte weitermachen! Viele Themen sind auf den 18 Seiten netto natürlich nur kursorisch angesprochen und es ist wohl allein der Beyerle’schen Kunst der flotten Formulierung geschuldet, dass überhaupt so viele Punkte angesprochen werden. Man muss das Ding also mindestens zweimal lesen, was hiermit jedem empfohlen sein. An dieser Stelle seien zunächst nur wenige Punkte hervorgehoben: So schlecht wie man befürchten musste, sieht es mit der Akzeptanz und dem Einsatz von Big Data in der Immobilienbranche scheinbar gar nicht aus. Doch halt: Worauf ehrlicher Weise hingewiesen wird, ist, dass die Stichprobe nicht repräsentativ ist (132 von 450 angesprochenen Unternehmen haben geantwortet) und dass nur „maßgebliche“ Unternehmen vorwiegend aus Deutschland befragt wurden. Das ist aus Researcher-Sicht nachvollziehbar, man wird aber getrost annehmen dürfen, dass die Akzeptanz und der Einsatz von Big Data Management-Methoden rapide nachlässt, wenn der Kreis der Immobilien Ivy League einmal verlassen wird. Und schon in dieser ist die Lage durchaus uneinheitlich. Wobei positiv überrascht, dass eine ganze Anzahl von Unternehmen sich angeblich bereits auf Big Data Auswertungen verlässt. Allerdings scheint das nur in ausgewählten Feldern wie z.B. dem Energiemanagement, evt. bei Retailern auch noch dem Kundenverhalten der Fall zu sein. Denn ganz ehrlich: In welchen anderen Bereichen kommen schon Big Data Management Systeme zum Einsatz? Doch bevor wir weiter in die Untiefen dieses Themas einsteigen, die gute Nachricht: Immerhin 23 % der Immobilienspitzenunternehmen treffen ihre Entscheidungen vorwiegend auf der Grundlage von Daten. Das beruhigt alle, die ihr Vermögen auch in Immobilien angelegt haben. Und eine Nachricht, die uns erschauern lässt: In Zukunft wird 80 % des Gehirnschmalzes nicht mehr ins Datensammeln, sondern in die Auswertung gehen. Tatsächlich ist der Aufwand für das Datenzusammenstellen immer noch vergleichsweise riesig, was jeder bestätigen wird, der einmal eine Due Diligence organisiert hat. Aber was passiert, wenn wir tatsächlich 80 % unserer Zeit und Intelligenz in die Analyse von Daten stecken? Wir dürfen gespannt sein. Fortsetzung folgt.

Big Data: Immobilienwirtschaft zwischen Steinzeit und Starwars

Ein Gedanke zu „Big Data: Immobilienwirtschaft zwischen Steinzeit und Starwars

  • 14. Dezember 2015 um 19:42
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    Die Umfrage zeigt doch die Krux: hier wurden doch Blinde gefragt, welche Farbe gerade das Chameleon hat.

    Digitalisierung ist mitnichten die Automatisierung der Abläufe durch Informatisierung – das war in den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts relevant, manche haben sich aber Zeit gelassen und sind heute soweit – und wollen uns das als Erfolgs bei der Digitalisierung verkaufen.

    Wenn man die Beispiel aus den USA analysiert (Apple, Amazon, Google, Facebook, Uber) stellt man fest, dass allesamt den Endnutzer im Auge haben und diesem einen Mehrwert zur Verfügung stellen – kostenlos, aber im Gegenzug gegen ebenfalls kostenfreie Zurverfügungstellung von Daten.

    In Analogie müssten die Akteure im Immobilienbereich erst einmal ein kostenloses Angebot für den Kunden generieren und dann die sich hieraus ergebenden Daten zielgerichtet speichern und auswerten.

    Theoretisch wären die Immobilienvermittlungsplattformen auf dem richtigen Weg gewesen – sind sie aber nicht, weil ihr Geschäftsmodell noch aus der informatorischen Steinzeit stammen und weil Google alles das, was sie können, schon lange und viel besser kann.

    Disruption kommt selten aus der eigenen Branche; Facherfahrung blockiert, Besitzstände machen blind und Wohlstand macht träge – und die Immobilienbranche ist es gewohnt, die Zukunft aus den Vergangenheitswerten ableiten zu wollen. Sie lernen gerade bei der aktuellen Zinssituation, dass Faktoren aus der Vergangenheit für die Zukunft nicht herreichen.

    Digitale Geschäftsmodelle werden auf Informationen aufgebaut, es bedarf eines Datenvermögens statt eines Anlage- und Umlaufvermögens (z.B. hat Airbnb keinerlei Assets).

    Ich bin gespannt, wann die ersten Plattformen Mietergruppen zusammenfassen und damit eine Nachfragedominanz erzeugen – zu Lasten der Bestandshalter.

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